Heil- und Pflegeanstalt Leipzig Dösen

Weil es an der Universitätskinderklinik Leipzig an Betten für das Euthanasie-Programm fehlt, richtet die Landesheil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen am 19. Oktober 1940 die erste Leipziger "Kinderfachabteilung" ein. Leiter: Dr. Arthur Mittag. "Die Einrichtung einer Kinderfachabteilung in Dösen wurde durch Prof. Catel initiiert."

(Christoph Buhl, Von der Eugenik zur Euthanasie. Eine Spurensuche in Leipzig, Diplomarbeit am Fachbereich Sozialwesen der HTWK, Leipzig 2001.)

Für die als Behandlung deklarierte Ermordung der Kinder erhält das Klinikpersonal Sonderzuwendungen vom "Reichsausschuß zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden".

Solche "Tötungsprämien" gehen 1941 an: Dr. Eichler, Dr. Mittag, Oberin Johanna Letzig, Schwester Rosa Kühn, Schwester Anna Köpke, Schwester Gertrud Kempf, Schwester Maria Puschmann. 1942 erhalten Dr. Richard Kranzler und Aufnahmeschwester Pfuhlfürst entsprechende Zuwendungen.

Zunächst wird eine Fachabteilung mit 35 Betten im Erdgeschoss des Hauses B3 eingerichtet. Doch der Platz reicht nicht. 1941 zieht die Abteilung ins C-Haus. "Die Dösener Abteilung war der einzige psychiatrische Anstaltsbereich, der in den Kriegsjahren kontinuierlich expandieren konnte. Mitte 1943 verfügte sie bereits über 192 Betten. Zusätzliche Erweiterungen waren geplant." (Christiane Roick, Heilen, Verwahren, Vernichten. Die Geschichte der sächsischen Landesanstalt Leipzig-Dösen im Dritten Reich, Dissertation, Leipzig 1997)

Am 7. Dezember 1943 wird in Folge der Umorganisation des Krankenhauswesens nach dem Bombenangriff auf Leipzig der Großteil der Dösener Patienten in die Anstalt Großschweidnitz verlegt. Am Töten ändert sich jedoch nichts:

"Dr. Mittag, der in Großschweidnitz nun auch die Patienten der ausgebombten Reichsausschussabteilung Werner Catels zu betreuen hatte, tötete bis Kriegsende weiterhin missgebildete und behinderte Kinder." (Christiane Roick, Heilen, Verwahren, Vernichten. Die Geschichte der sächsischen Landesanstalt Leipzig-Dösen im Dritten Reich, Dissertation, Leipzig 1997.)